Schulen brauchen modernisierte Sexualbildung – gesellschaftliche Vielfalt auch in Sachsen sichtbar machen

Zum Antrag „Sex­u­al­bil­dung in den Schulen im Freis­taat Sach­sen mod­ernisieren“ erk­lärt Sarah Bud­de­berg, gle­ich­stel­lungs- und queer­poli­tis­che Sprecherin der Frak­tion DIE LINKE im Säch­sis­chen Land­tag:

Homo­sex­u­al­ität find­et im Schu­lun­ter­richt so gut wie nicht statt. Wenn dieses The­ma nur im Zusam­men­hang mit AIDS-Präven­tion eine Rolle spielt, wird diese Lebensweise sog­ar ganz klar stig­ma­tisiert. Hier find­et also eine struk­turelle Diskri­m­inierung statt. Und dabei rede ich noch nicht mal von tran­si­d­en­ten oder intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen, die noch stärk­er mar­gin­al­isiert sind.

Der Bericht der Antidiskri­m­inierungsstelle des Bun­des aus dem Jahr 2013 kommt zu der Erken­nt­nis, dass die Schule der am meis­ten homo­phobe Raum ist — neben den Fußball­sta­di­en. Schlimm genug, was in Fußball­sta­di­en passiert – der promi­nente Fall Thomas Hit­zlsperg­er, der sich bekan­nter maßen auch erst nach sein­er aktiv­en Kar­riere öffentlich zu sein­er Homo­sex­u­al­ität bekan­nt hat, ist symp­to­ma­tisch. Nun kann sich aber jed­er Men­sch entschei­den, ein solch­es Sta­dion zu besuchen oder nicht. Damit ist das Prob­lem der mas­siv­en Homo­pho­bie in diesem Sport­bere­ich natür­lich nicht gelöst. Aber: Der Raum kann gemieden wer­den. Für die Schule trifft das eben nicht zu, es gibt Schulpflicht, und alle Kinder und Jugendlichen sind mit dort mit Homo­pho­bie kon­fron­tiert. Was geschieht dort genau? Stu­di­en bele­gen: Über die Hälfte der nicht het­ero­sex­uellen Kindern und Jugendlichen sagen aus, Opfer von Mob­bing zu wer­den. Homo- und trans­pho­be Witze sind an der Tage­sor­d­nung. Nach wie vor ist der Begriff „schwule Sau“ das meist­be­nutzte Schimpf­wort in der Schule. Als „schwul“ wird alles beze­ich­net, was neg­a­tiv und störend ist. Das Wort ist ganz klar mit ein­er Abw­er­tung kon­notiert.

Die Stel­lung­nahme der Staat­sregierung zu unserem Antrag ist ein Armut­szeug­nis. Sie machen es sich zu ein­fach, wenn Sie auf die Antwort zu unserem Antrag aus der let­zten Leg­is­latur ver­weisen. Von ein­er Regierung, die in ihren Koali­tionsver­trag das Ziel der Akzep­tanz sex­ueller Vielfalt aufgenom­men hat, die eine Min­is­terin für Gle­ich­stel­lung beruft, haben wir deut­lich mehr erwartet. Wir brauchen eine schulis­che Bil­dung, die die gesellschaftliche Real­ität abbildet. Die Real­ität ist vielfältig. Diese Vielfalt muss in der Schule sicht­bar wer­den. Erst dann kön­nen auch nicht-het­ero­sex­uelle Kinder und Jugendlichen ihr Recht auf Per­sön­lichkeit­sent­fal­tung wahrnehmen. Deshalb ist eine Mod­ernisierung über­fäl­lig.

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