Eine Provinzposse von landesweiter Dimension

Für Finanzmin­is­ter Georg Unland (CDU) ist es offen­bar unerträglich, dass die Straße, an der das neu eröffnete Groß­fi­nan­zamt in Pir­na liegt, den Namen der Frauen­recht­lerin, Frieden­sak­tivistin und Sozial­istin Clara Zetkin trägt. Er forderte noch beim Richt­fest die Umbe­nen­nung der Straße.

Dazu erk­lärt Sarah Bud­de­berg, Sprecherin für Gle­ich­stel­lungs- und Queer­poli­tik der Frak­tion DIE LINKE: Unlands Begrün­dung, Zetkins Name motiviere nicht zum Steuerzahlen, ist lächer­lich. In diesem Sinne wäre es Her­rn Unland wohl lieber, wenn man die Straße „An den Cay­man-Inseln“ nen­nen würde. Offen­bar will Her­rn Unland vor allem ver­hin­dern, dass die Adresse eines der ihm unter­ste­hen­den Häuser den Namen ein­er Vertreterin trägt, die wie viele andere eine ihm unan­genehme poli­tis­che Rich­tung verkör­pert. Clara Zetkin ist nicht irgen­deine Poli­tik­ern, son­dern zweifel­sohne eine bedeu­tende Fig­ur der jüng­sten Geschichte Deutsch­lands. Die Erin­nerung an sie und ihre Ehrung wer­den nicht an der Borniertheit eines männlichen Min­is­ters scheit­ern.

Im öffentlichen Raum sind Frauen­na­men weit­er unter­repräsen­tiert. Seit Jahren fordern ver­schiedene Frauen­ver­bände, die his­torischen Ver­di­en­ste von Frauen angemessen sicht­bar zu machen. Dass der CDU-Min­is­ter diese Umbe­nen­nung fordert, ist nicht nur unver­schämt, son­dern schadet ein­er geschlechterg­erecht­en Erin­nerungskul­tur.

Der Demokratiepoli­tis­che Sprech­er der Frak­tion DIE LINKE, Lutz Richter, ergänzt: Dieses Gebaren von Min­is­ter Unland erin­nert an das eines vordemokratis­chen Prov­inz­gou­verneurs. Er fordert den Ober­bürg­er­meis­ter auf, im Stad­trat einen Beschluss nach seinem Willen her­beizuführen. Wer glaubt, in demokratisch gewählten Vertre­tun­gen Beschlüsse „bestellen“ zu kön­nen, offen­bart ein merk­würdi­ges Demokratiev­er­ständ­nis. Der Hin­weis, die Umbe­nen­nung müsse nun zügig beschlossen wer­den, weil der Druck von Vis­itenkarten anste­he, treibt diese Demon­stra­tion von Groß­mannssucht auf die Spitze. Vere­ine, Gewer­be­treibende und andere Engagierte haben übri­gens in der Ver­gan­gen­heit schon Druck­erzeug­nisse anfer­ti­gen lassen, die dann ihrer­seits hin­fäl­lig wären. Anstatt den Kom­munen mit der­lei „Anweisun­gen“ zusät­zliche Arbeit zu ver­schaf­fen, sollte der Finanzmin­is­ter dafür Sorge tra­gen, dass die finanzielle Hand­lungs­fähigkeit säch­sis­ch­er Land­kreise und Gemein­den wieder hergestellt wird.

Wir ermuti­gen die Mandatsträger_innen im Stad­trat zu ein­er selb­st­be­wussten Entschei­dung auf und sagen mit Clara Zetkin: „Lassen wir uns nicht schreck­en durch die Ungun­st äußer­er Umstände, haben wir für alle Schwierigkeit­en nur eine Antwort: Erst recht!“